5+1 Thesen zur Zukunft der Bewegtbildkommunikation

1
1260
Kopf in den Sand stecken
Lieber Kopf in den Sand stecken - Bewegtbildkommunikation in der PR

Thesen sind was Tolles, denn man kann sich trefflich darüber streiten.

Hier sind fünf Thesen zur Zukunft des Bewegtbilds und eine zur Zukunft der Unternehmenskommunikation.

 

1. Bewegtbild wird zu dem Kommunikationsmedium

Ein Großteil unserer künftigen (Online-)Kommunikation wird über Video laufen. Mehr noch als heute werden wir Tutorials schauen statt Handbücher zu lesen, wir werden Video-Botschaften aufnehmen statt Emails zu schreiben und statt zu telefonieren Video-skypen wir. Vine statt WhatsApp, Video statt Text.

Warum das so sein wird und was es mit diesem Foto auf sich hat erkläre ich in meinen anderen Thesen …

2. Bewegtbildkommunikation wird allgegenwärtig

Alle Studien zeigen: Die Bewegtbildkommunikation wächst. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie hat sich die Bewegtbildnutzung über die letzten sechs Jahre nahezu verdoppelt. Ein Großteil davon geht auf die Nutzung von Video-Plattformen* (S. 400) wie Youtube zurück. Mit Twitch und Vine sind jüngst weitere erfolgreiche Plattformen hinzugekommen. Global prognostiziert die Internet Trends Studie weitere Zuwächse. Hier sind es vorallem die Jüngeren, die „Millennials“ (14-29 Jahre), die für diesen massiven Umschwung in der Kommunikation sorgen.

 

ARD/ZDF-Onlinestudie Videopodcasts 2014 (Bewegtbildkommunikation)
ARD/ZDF-Onlinestudie Videopodcasts* 2014; 2006-2014; Onlinenutzer ab 14 Jahre

* Mit „Videopodcasts“ meint die Studie Youtuber, die auf ihren Kanälen regelmäßig Videos veröffentlichen. Dabei ist der Inhalt selbst unerheblich. Die Autoren schreiben: „Vieles spricht dafür, dass in der Befragung der ARD/ZDF-Onlinestudie durch das Wort „abonnieren“ im Zusammenhang mit „Video“ auch diese YouTube-Nutzung erfasst wird.

 

Hinzu kommt: alle großen Social-Media-Plattformen setzen mittlerweile auf Bewegtbild, meist primär für Werbezwecke. Facebook spült seit der Umstellung seines Algorithmus massiv Videos in die Timeline seiner User, Youtube kämpft um die Werbebudgets großer Unternehmen, Instagram erlaubt Videowerbung, Yahoo hat angekündigt in den Videowerbermarkt einzusteigen und auch hierzulande hat die Bewegtbildwerbung stark an Bedeutung gewonnen. Selbst Wikipedia springt auf den Bewegtbildzug auf.

Die Nutzer wollen es, die Player forcieren es: um Bewegtbildkommunikation kommen wir nicht herum.

 

3. Lineares Fernsehen wird zum Nebenbei-Medium

Je alltäglicher die bewegten Bilder im Netz werden und je relevanter die Inhalte, desto antiquierter kommt uns das Fernsehen vor. Es zu langweilig und unwichtig, zu dogmatisch und unangepasst für die Bedürfnisse der Zuschauer. Klassisch lineare TV-Programme werden langsam verschwinden. Sie werden ersetzt durch individuell zugeschnittene Playlists, bestückt mit Inhalten aus den Mediatheken der TV-Sender, Video- und Streamingplattformen, manuell sortiert oder automatisch erstellt durch Smart-TVs. Lineares Fernsehen läuft dann nur noch nebenbei.

kompakt: Ist das Fernsehen tot?

 

4. Videoproduktion wird Alltag

Schon heute trägt jeder von uns eine Videokamera mit sich herum. Wir könnten jederzeit filmen. Überall. Wir tun es aus mehreren Gründen (noch) nicht:

  • Es ist (noch) zu kompliziert. Wir brauchen Geräte und Plattformen, die noch einfacher zu bedienen sind. Smartwatches mit Kamera sind ein möglicher nächster Schritt.
  • Es ist (noch) sozial unangemessen. Wir schämen uns noch zu sehr, Videos von uns selbst öffentlich zu machen. Doch die Jüngeren machen es vor. Wir werden den Mut finden zu folgen.
  • Es dauert (noch) zu lang. Videodateien sind groß, der Transfer über das Internet dauert zu lang. Sobald LTE flächendeckend verfügbar ist, ändert sich auch das.

Wenn wir diese Hürden erst einaml überwunden haben wird die Produktion von Videos so zu unserem Alltag gehören wie die Verwendung von Smartphones heute, Bewegtbildkommunikation wird Alltag.

 

5. Wer heute über Bewegtbild kommuniziert ist morgen Meinungsführer

Klassische Medien werden aufgrund dieser Entwicklungen weiter an Bedeutung verlieren. Die User nehmen die Bewegtbildproduktion selbst in die Hand, die Aufmerksamkeit verschiebt sich, Youtuber erreichen schon heute Millionen Zuschauer. Wer heute Videoinhalte produziert, ausgerichtet an den Interessen seiner Zuschauer, der wird morgen zu den Meinungsführern gehören.

Youtuber Relations | Youtuber - die übersehenen Influencer

 

Bonus-These: Die Unternehmenskommunikation wird verlieren (wenn sie sich nicht ändert)

Wer heute in der Unternehmenskommunikation sitzt hat es nicht leicht. Über kurz oder lang wird er einen gewichtigen Teil seines Einflusses verlieren. Warum?

Weil die Unternehmenskommunikation das Potential von Video als Dialogmedium noch immer nicht erkannt hat

 

Die Unternehmenskommunikation ist stark vom Denken in Text geprägt, die meisten Kommunikatoren kommen aus dem Journalismus oder anderen Geisteswissenschaften. Video hat da immer so etwas schmuddeliges, wird belächelt und vermieden wo es nur geht.

Meist herrscht das einfache Klischee vor, Video müsse unglaublich viel kosten um vorzeigbar zu sein. „Das ist zu teuer„, „dafür haben wir kein Budget“ sind dann meist die Ausreden. Deshalb ist es dann häufig auch das Marketing, welches Kampagnen und Projekte mit den Meinungsführern auf Youtube anstößt, wie beispielsweise bei MLP.

Dabei muss Bewegtbildkommunikation nicht teuer sein, ganz im Gegenteil: Im Web sind Hochglanzproduktionen eher verpönt, echter Dialog ist gefragt! Hier sollte die Unternehmenskommunikation eigentlich ihre Stärken ausspielen können, nämlich offen und transparent zu kommunizieren – über Video!

Doch genau hier steckt die Unternehmenskommunikation den Kopf in den Sand.

1 KOMMENTAR

Comments are closed.