Top-Youtuber Simon Unge verlässt Mediakraft und was das für die Branche bedeutet

4
738
Simon Unge Freiheit
Simon Unge Freiheit

Nur wenige Wochen nach dem Ausstieg von LeFloid verlässt ein weiterer reichweitenstarker Youtuber das Netzwerk Mediakraft. Simon Unge (Kanäle „ungespielt“ und „ungefilmt„) hat über 2 Millionen Abonnenten auf Youtube und vereint auf seinen beiden Kanälen monatlich rund 32 Millionen Views.

Nun hat der Top6-Youtuber angekündigt, seine beiden Kanäle aufzugeben und das Netzwerk Mediakraft zu verlassen. Ihm sei mit Klagen bis hin zur Privatinsolvenz gedroht worden, das Netzwerk widerspricht, ein Shitstorm zieht auf.

Was bedeutet all das für die Youtube-Branche?

Simon Unge ("ungespielt") kündigt bei Mediakraft
Simon Unge („ungespielt“) kündigt bei Mediakraft

Unge vs. Mediakraft – was war passiert?

Simon Unge ist enttäuscht und sauer, er fühlt sich von seinem Netzwerk Mediakraft im Stich gelassen und ausgenutzt. Am vergangenen Samstagabend kündigt er in einem fast dreizehn Minuten langen Video an:

Ich werde [meine] beiden Kanäle aufgeben, werde einen neuen Kanal starten, youtube.com/unge, und ja, natürlich ist das für mich finanziell gesehen und auch von Youtube-Reichweite her gesehen ein richtig starker Verlust.

Simon Unge, Youtuber

 

Der Grund: Mediakraft verweigere ihm den erwarteten Support: „Netzwerke sollen dir helfen wenn du Probleme hast, Netzwerke sollen dich entlasten. Das alles habe ich von Mediakraft noch nie bekommen.

Als er seinen Vertrag auflösen wollte habe Mediakraft ihm mit Klagen bis hin zur Privatinsolvenz gedroht. Hier das Ankündigungsvideo in voller Länge und hier gibts es ein exklusives Transkript des Videos (da das Originalvideo auf privat gestellt wurde hier ein Reup):

Die schwerste Entscheidung meines Lebens #Freiheit| Reuplaod |Respekt Bra

 

Sein Video sammelt innerhalb von 24 Stunden über 1,8 Millionen Views, unter dem Hashtag #freiheit rollt ein Shitstorm über das Netzwerk Mediakraft und wird zum Trending Topic. Sein neuer Kanal hat nach nur einem Tag fast eine halbe Millionen Abonnenten, obwohl dort noch kein einziges Video veröffentlicht wurde. Bis dahin hatten schon etliche klassische Medien berichtet, von Spiegel Online, über SZ und WDR bis hin zur Bild.

Unges Ankündigungsvideo macht 1,8 Millionen Views in 24 Stunden
Unges Ankündigungsvideo macht 1,8 Millionen Views in 24 Stunden

 

Nun reagiert auch Mediakraft mit einer offiziellen Stellungnahme, zuerst auf Facebook:

Nun ist es so, dass Simon Unge einen gültigen Vertrag unterschrieben hat, der nicht einseitig aufgehoben werden kann. Viele Leistungen, die wir Simon Unge angeboten haben […], hat er ausgeschlagen.

Spartacus Olsson, CEO Mediakraft Networks

 

Auf Broadmark erscheint wenig später ein Kurzinterview mit Simon Unge. Auf die Frage, was er zu den Reaktionen auf sein Video sagt, antwortet er:

Ich finde die Reaktionen heftig, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Ich freue mich riesig darüber, dass so viele YouTuber bei diesem Thema zusammen halten und mich so unglaublich stark unterstützen.

Simon Unge, Youtuber

 

Auf Twitter macht derweil ein Screenshot aus der Mediakraft-internen Facebook-Gruppe die Runde. Dort bekräftigt Mediakraft-CEO Spartacus Olsson seine Haltung, Unge widerspricht. Zwei andere Größen der Youtube-Szene, Phil und OG vom Youtube-Kanal Ytitty schalten sich ebenfalls ein. Der Streit ist noch lange nicht beigelegt.

 

Was bedeutet das für die Youtube-Branche?

Der Fall Simon Unge zeigt bereits jetzt zwei Dinge ganz deutlich:

Zum einen, dass die Macht bei den Youtubern liegt. Nicht nur, dass Simon Unge binnen kürzester Zeit einen Großteil seiner Fangemeinde mobilisieren und mal eben aus dem Einflussbereich von Mediakraft heraus zu einem neuen Kanal umziehen konnte, nein, er beherrschte damit auch für über 24 Stunden die deutschen Twitter Trends. Wie Bertram Gugel und auch Martin Giesler feststellen, liegt hierin das enorme Potential dieser neuen Influencer, Medienberichterstattung maßgeblich zu beeinflussen.

Unge ist Trending Topic auf Twitter - auf den Plätzen 1-4
Unge ist Trending Topic auf Twitter – auf den Plätzen 1-4

Zum anderen lässt Simon Unges Entscheidung tief in die Seele dieser Generation blicken:

#Freiheit und Flexibilität sind Youtubern wichtiger als Zahlen und Geld. Sich selbst zu verwirklichen steht für Youtuber an allererster Stelle. Youtuber wollen ernstgenommen werden!

Das stelle ich auch in persönlichen Gesprächen immer wieder fest.

Youtuber sind keine wandelnden Werbetafeln. Sie wollen nicht von Netzwerken und Vermarktern mit Werbedeals bombardiert werden. Sie wollen ihr eigenes Ding machen. Dafür suchen sie geeignete Partner. Dafür suchen Sie den Dialog auf Augenhöhe. Menschlich und persönlich.

Wenn Unge und LeFloid nun die Spitze des Eisbergs waren, dann wird sich im nächsten Jahr viel bei den Netzwerken bewegen (müssen).

4 KOMMENTARE

Comments are closed.