Youtuber – die übersehenen Influencer

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Wachstumsraten Youtube - Internet Trends 2014
Wachstumsraten auf Youtube sind immens

Der Trend zum Bewegtbild ist ungebrochen. Youtuber generieren Reichweiten, die es mit dem Fernsehen aufnehmen können. Wirkungsvolle Youtuber Relations müssen die Anforderungen der Youtuber kennen und ihre Welt verstehen.

 

Youtuber Relations | Youtuber - die übersehenen Influencer

Generation Gap und Bewegtbildtrend

YouTube and the new News“ heißt ein Panel auf der diesjährigen republica. Auf der Bühne sitzen drei bekannte Youtuber: LeFloid, MrTrashpack und Fräulein Chaos. Auf die Frage, wieviele Abonnenten er denn hätte, antwortet Florian Mundt (LeFloid) etwas gelangweilt: „1,8 Millionen„. Im Saal herrscht Totenstille.

 

re:publica 2014 - YouTube and the new News

(Besagte Stelle beginnt bei 10 Minuten, 30 Sekunden)

Selten wurden das Gefälle zwischen Youtubern und Bloggern so ersichtlich wie hier. Bewegtbild schlägt Text – so kann man einen Trend zusammenfassen, der schon Jahre anhält aber noch lange nicht vorbei ist. Vor allem die junge Generation liest nicht mehr, sie schaut Video. Und zwar online bei Youtube, Twitch oder Vine. Statt Handbücher zu blättern werden Tutorials geschaut, statt Wikipedia zu lesen Erklär-Videos gestreamt. Unboxing, Reviews und Hauls ersetzen Produkt-Rezensionen und irgendwann LetsPlays auch den Fußball. Das mag gewiss übertrieben klingen, doch der Trend ist eindeutig: das in die Kamera gesprochene Wort ersetzt das geschriebene. Bunte Bilder besiegen Bleiwüste.

Wachstumsraten Youtube - Internet Trends 2014
Die Wachstumsraten auf Youtube sind immens (Quelle: Internet Trends 2014)

 

Influencer ohne Relations

Trotzdem tun sich hierzulande viele Kommunikatoren noch immer sichtlich schwer mit diesem Thema, nehmen kaum Notiz davon. Auch in den Beiträgen zur Blogparade von MonitoringMatcher (an der dieser Artikel teilnimmt) finden sich nur drei Beiträge, die Youtuber als Influencer erwähnen (nämlich hier, hier und hier).

Währenddessen investieren Youtuber gerade in sich selbst. Große Netzwerke sammeln gar Millionen ein. Nicht nur international sind die Wachstumsraten beachtlich: auch das deutsche Youtube-Netzwerk Mediakraft konnte in den letzten zehn Monaten die Abo-Zahlen ihrer Top-6 Kanäle um rund 60 Prozent (!) von knapp 6 Millionen auf 9,8 Millionen steigern. Das sind über 12.000 neue Abonnenten pro Tag. Und bei dieser Zählung sind die Neueinsteiger in die Top-6 nicht mal berücksichtigt.

Fazit: Was Reichweiten anbelangt haben die Youtuber den Bloggern schon lange den Rang abgelaufen. Oder wie Markus Hündgen zitiert wird:

Youtuber sind Influencer und Stars - zitiert nach Markus Hündgen
Youtube macht Stars (Quelle: Konrad Lischka)

 

Was heißt das für die Influencer Relations?

Wer Influencer sucht muss (auch) bei den Youtubern suchen!

Leider werden viele Youtuber bislang nur als Werbefläche betrachtet und für mehr oder weniger geschicktes Product Placement eingespannt. Während das für kurzfristige Marketing-Aktionen noch funktionieren mag, ist für eine langfristige Zusammenarbeit ein anderer Ansatz nötig.

Grundsätzlich sollten dabei die gleichen Regeln gelten wie bei Influencer Relations: ehrlich, authentisch, exklusiv, schnell und spezifisch kommunizieren.

Doch darüber hinaus müssen die besonderen Eigenheiten und Anforderungen der Youtuber berücksichtigt werden. Denn Youtuber leben nun mal vom Bewegtbild, von der Aktion. Youtuber brauchen Bilder.

  • Journalisten und Blogger sind dankbar, wenn an Pressemitteilungen Bilder angehängt sind, Youtuber brauchen sie zwingend. Noch besser sind Videos.
  • Storydoing statt Storytelling: Youtuber brauchen Events, die sie filmen können.
  • Spontane Interviews – auch zwischen Tür und Angel – müssen möglich sein.
  • Schriftliche Interviews funktionieren nicht, Youtuber brauchen Hangouts oder Skype-Interviews.
  • Texte können geändert werden, Videos sind nunmal im Kasten. Daran muss man sich gewöhnen.
  • Pressemitteilungen, Blogartikel oder Tweets als Antwort auf ein Video sind schön. Noch besser wäre eine Videoantwort.

Diese besonderen Anforderungen organisatorisch und gedanklich zu berücksichtigen macht dann auch den Unterschied aus, zwischen allgemeinen Influencer Relations und spezifischen Youtuber Relations.

 

Zum Hintergrund

Als Youtuber und PR-Mensch juckt mir dieses Thema schon lange in den Fingern. Spätestens seit der Teilnahme an Mike Schnoors Blogparade mit diesem Artikel (der zuerst hier und dann hier erschien) habe ich mich gefragt wieso Youtuber bislang kaum als Influencer betrachtet und nur selten in Maßnahmen einbezogen werden. Die Blogparade von MonitoringMatcher nehme ich daher zum Anlass, das Thema nochmal aufzugreifen und ihm einen eigenen (Video-)Blog zu widmen.

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