NetzFragtMerkel: Chance vertan (Kommentar)

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NetzFragtMerkel
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Es war ja schon seit einigen Tagen groß angekündigt: das Interview von LeFloid mit Angela Merkel. Unter dem Hashtag #NetzFragtMerkel sollten Nutzer Fragen sammeln, die LeFloid dann der Kanzlerin im Interview stellt. Seit ein paar Stunden ist das Video raus und ich habe hier mal meine Eindrücke kurz zusammengefasst: Leider wurde hier eine Chance vertan.

Eins vorab: Ich finde es gut und richtig, dass es dieses Interview gibt. Daher zunächst sowohl Richtung der beteiligten Youtuber als auch Richtung Bundesregierung Respekt für diesen (mutigen) Schritt, jungen Menschen Politik näherbringen zu wollen.

Dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine Chance vertan wurde. Ich will kurz versuchen zu erklären, warum.

Auf der einen Seite sitzt Frau Merkel. Sie ist Profi. Sie steht jeden Tag vor tausenden Kameras. Sie ist geübt darin, viel zu reden ohne was zu sagen. Das ist ihr Job, das gehört dazu. Auf der anderen Seite sitzt LeFloid, ebenfalls Profi. Auch er steht täglich vor Kameras. Er ist geübt darin, (s)eine Meinung prägnant auf den Punkt zu bringen. Das ist sein “Job”, das gehört zu seinem Youtube-Alltag. Ideale Voraussetzungen also, mal ein spannendes Gespräch zu hören: Der meinungsstarke Youtuber hier, der Politikprofi dort.

#NetzFragtMerkel: Merkel im Interview mit LeFloid
#NetzFragtMerkel: Merkel im Interview mit LeFloid

Auch an aktuellen und wichtigen Diskussionsthemen mangelt es nicht: NSA, TTIP, Griechenland – alles Themen, über die sich trefflich streiten lässt. Die Chance für LeFloid also, auch mal ein paar kritische Fragen zu stellen, mal nachzubohren, mal auf Konfrontation zu gehen – um für seine Fans und Follower Antworten reinzuholen!

Doch von LeFloids sonst so konfrontativen Meinungen ist im Interview nichts zu spüren. Gerade bei den kritischen Themen degradiert er sich selbst zum Stichwortgeber und Zu-nicker. Beispiel NSA-Skandal und die aktuellen Enthüllungen von Wikileaks: schon als Frage sehr defensiv formuliert (“ob man die Person Snowden denn nun anders betrachten müsse“) gibt sich LeFloid mit der Standardantwort Merkels (“die USA sind unser Partner”) zufrieden. Keine Frage nach ihrer Verantwortung als Staatschefin, keine Frage nach ihrer Verantwortung für die Bevölkerung, keine Frage nach den Auswirkungen von Überwachung auf die Kommunikation der Jugendlichen (Floids Fans und Follower!) im Netz – darunter auch Youtube, Facebook, WhatsApp, Instagram usw. …

Zum Vergleich: in seinem Video vom 05.05.2014 nannte LeFloid Merkel aufgrund des NSA-Skandals noch “Industriehure” (bei 1 Minute; 10 Sekunden).

Das Interview mit Angela Merkel - #NetzFragtMerkel
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NetzFragtMerkel: Merkel im Interview mit LeFloid

Klar: Frau Merkel ist Profi. Niemand hätte ernsthaft erwarten können, bei diesem Interview etwas wirklich “neues” zu erfahren. Auch klar: LeFloid macht das zum ersten Mal. Da spielt natürlich auch Nervosität mit rein. Doch von LeFloids Prägnanz hätte ich mir hier doch eine deutlich dickere Scheibe gewünscht. Schnacken über Instagram oder “gut leben in Deutschland” ist das eine – für seine Fans und Follower echte Antworten reinzuholen (oder es zumindest zu probieren) was anderes.