Risiko Produktplatzierung (Gespräch mit Dr. Thomas Glückstein)

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Dr. Thomas Glückstein
Dr. Thomas Glückstein

Youtuber kann ein 24-Stunden-Job sein. Da ist es klar, dass sich viele ihr Einkommen mit bezahlten Unternehmenskooperationen aufbessern. Doch die rechtliche Lage ist heikel. Darüber habe ich mit Dr. Thomas Glückstein von der Kanzlei Lausen gesprochen. Er ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht mit dem Schwerpunkt Film und audiovisuelle Medien.

David: Herr Glückstein, viele Youtuber kooperieren mittlerweile regelmäßig mit Unternehmen und erhalten dafür auch Geld, zum Beispiel für Produktplatzierungen. Welche gesetzlichen Regelungen greifen bei solchen bezahlten Kooperationen?

Dr. Thomas Glückstein: Auch Youtuber haben die Grenzen der zulässigen Werbung zu beachten. Zum einen gelten die allgemeinen gesetzlichen Regeln des Wettbewerbsrechts, die im „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) zusammengefasst sind. Darüber hinaus können Regelungen des Rundfunkstaatsvertrags zur Anwendung kommen. Denn dieser enthält nicht nur Regelungen für den öffentlichen und privaten Rundfunk in Deutschland, sondern auch für sog. „Telemedien“. Darunter fällt z. B. Youtube. Problematisch kann es für Youtuber insbesondere dann werden, wenn sie Schleichwerbung betreiben. Die liegt laut Rundfunkstaatsvertrag dann vor, wenn die Zuschauer durch mangelnde Kennzeichnung über den werblichen Zweck einer Erwähnung oder Darstellung in die Irre geführt werden können. Wer als Youtuber also Geld bekommt dafür, dass er ein Produkt besonders positiv darstellt und dies nicht in seinem Video kennzeichnet, der betreibt Schleichwerbung.

 

David: Beim Fernsehen greifen ja zusätzlich teilweise unterschiedliche Regelungen je nach Format der Sendung und angepeilter Zielgruppe, wie ist das auf Youtube?

Glückstein: Das ist eine spannende Frage. Der Rundfunkstaatsvertrag enthält u.a. Regelungen dazu, wann „Product Placement“ im Fernsehen zulässig ist. Entgeltliche Produktplatzierung ist im Fernsehen z. B. nur dann erlaubt, wenn es sich um einen Kino- oder Fernsehfilm, eine Serie, Sportsendung oder Sendung der leichten Unterhaltung handelt. Demgegenüber ist Produktplatzierung bei Sendungen, die im wesentlichen informierenden Charakter haben, unzulässig, z. B. in Verbraucher- oder Ratgebersendungen.

Wenn das ebenso für Youtube gelten sollte, dann wäre z. B. jede Art von Produktplatzierung bei „Ratgeber“-Formaten oder anderen Formen, die nicht zur „leichten Unterhaltung“ zu zählen sind, von vornherein unzulässig. Die Bestimmungen im Rundfunkstaatsvertrag dazu sind zwar leider nicht sehr klar. Man kann dem Rundfunkstaatsvertrag aber wohl entnehmen, dass jedenfalls für „fernsehähnliche Telemedien“ ähnliche Regeln gelten sollen wie für Fernsehen. Und dass man YouTube als fernsehähnliches Telemedium ansieht, das liegt zumindest nicht fern. Daher hat es auch schon Fälle gegeben, in denen die zuständigen Aufsichtsbehörden wegen Schleichwerbung auf Youtube tätig geworden sind.

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David: Was sollten Youtuber beachten, damit Sie in keine rechtliche Falle tappen?

Glückstein: Youtuber sollten dann, wenn sie Geld von Unternehmen erhalten, darauf achten, dass sie ihre redaktionelle Verantwortung und Unabhängigkeit hinsichtlich des Inhalts behalten.  Werbung und redaktionelle Inhalte sind eindeutig zu trennen. In den Clips sollten die Youtuber darauf achten, dass sie nicht unmittelbar zum Kauf eines Produkts dieses Unternehmens auffordern und ein Produkt nicht zu stark herausstellen. Die Youtuber sollten ferner auf die Produktplatzierung hinweisen, indem sie zu Beginn und am Ende ihres Clips (z. B. durch die Einblendung eines „Wasserzeichens“ mit einem „P“) sowie in der Videobeschreibung darauf hinweisen, dass der Clip durch Produktplatzierung unterstützt wurde. Und schließlich sollten sie ihre Clips als leichte Unterhaltung gestalten – aber das sollte bei Clips auf Youtube das geringste Problem sein.

 

David: Vielen Dank für die Einschätzungen.

 

* Dr. Thomas Glückstein (XING) ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und mit dem Schwerpunkt Film und audiovisuelle Medien in der Münchener Kanzlei Lausen Rechtsanwälte tätig. Er ist Referent an der Akademie der Deutschen Medien und am Bayerischen Filmzentrum.