Wir brauchen eine Szenen-Diskussion (Gespräch mit Marie Meimberg)

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Marie Meimberg
Marie Meimberg

Die Youtube-Szene ist im Umbruch. Youtuber entwickeln neues Selbstbewusstsein. Die Szene muss und will über sich selbst diskutieren. Dazu habe ich mit Marie Meimberg auf der republica (#rp15) gesprochen.

David: Marie, was muss ein Unternehmen tun wenn es mit dir oder mit euch (Youtubern) zusammenarbeiten will?

Marie: “Euch” ist immer schwierig. Ich glaube das pauschal zu sagen, darauf kann es keine Antwort geben, weil das total unterschiedlich ist, je nachdem in welchem Netzwerk ein Youtuber ist, was er für Inhalte macht und so weiter. Aber was voll wichtig ist, ist, dass die Marken sich zwei Sachen klar machen:

a) das es keine Plakatwerbung ist, die sie da buchen, sondern das sie mit Menschen zusammenarbeiten, die selber Inhalte generieren und das es sinvoll ist, die in die Konzeption mit einzubeziehen

und b) das man sich die Leute vorher anschaut. Das man da einfach mal guckt. Wenn ich jetzt beispielsweise mit jemandem wie LeFloid zusammenarbeiten will: was macht der denn für Videos?

Möchte ich denn, dass der dann eventuell in seinem Video einmal “Fuck” sagt? Wenn ich das nicht will ist es vielleicht unklug, Flo (LeFLoid) für eine langfristige Zusammenarbeit einzuplanen, weil das für Ihn und für die Marke überhaupt nichts bringt. Wenn er für das, wofür die Leute ihn mögen – und das will ja auch die Marke, die will ja seine Reichweite – auf einmal was raushaut, was die Leute nicht mögen, was er nicht ist, was er gar nie tut, dann passt das nicht. Das heißt: geht hin und schaut euch die Leute an(!)

Und auch darauf bestehen, das es gekennzeichnet wird! Für uns, für die Marke, für alle Beteiligten einfach sagen: wir brauchen da Transparenz.

 

David: Transparenz ist auch ein wichtiges Thema: Ich glaube da besteht noch sehr viel Unsicherheit in dem Bereich, sowohl bei Youtubern als auch bei Unternehmen. Ihr habt eben auf dem Podium gesagt, dass ihr dieses Thema voranbringen wollt, dass darüber diskutiert wird, dass wir miteinander sprechen. Was sind da die Pläne, wollt ihr vielleicht so eine Art Kampagne wie #nichtschoen daraus machen?

Sind Youtuber Kommerzhuren?
Sind Youtuber Kommerzhuren? Podium auf der #rp15

Marie: Wir brauchen erstmal die Grundlage. Weil ich selber bin auch keine Anwältin und da finde ich es wichtig, dass wir da beraten werden.

David: Für die Transparenzregeln?

Ja, genau. Das ich nicht nur sage, so und dann machen wir dann lila Pfeile und dann machen wir da ein Herzchen hin, sondern dass das auch tatsächlich hieb- und stichfest ist weil es mit einem Anwalt zusammen entwickelt ist. Weil wir auch im Verein neben dem, was wir den ganzen Tag so machen, unsere Agenda nur Schritt für Schritt angehen können.

Nach der Vereinsgründung, dem Vereinssitz und so das wir das nach und nach abarbeiten und das ist auf jeden Fall eines der Themen, die wir intern diskutieren und die wir auch sozusagen mit Leuten diskutieren wollen, die Experten dafür sind und danach quasi können wir sagen das wir da eine Kampagne draus machen und das man das danach auf jeden Fall transparent macht. Finde ich sehr wichtig. Und sollte ja auch nicht weh tun, weil es ja nichts schlimmes ist.

Und ich glaube hinzugehen und dann auch Aufklärungsarbeit unter den Zuschauern zu leisten und zu sagen: die Youtuber, die euch das sagen (Anm.: das sie mit einem Unternehmen kooperieren), dass sind nicht die bösen, sondern das sind die guten unter denen, die ihr schaut.

 

David: In der öffentlichen Debatte – was Youtube angeht – geht es aktuell hautpsächlich um die Netzwerke und die Vermarkter.

Marie Meimberg NichtSchoen
Kampagne #NichtSchoen

Marie: Ja wichtig ist auch, auch das muss man sich immer wieder klar machen, weil ganz viele denken die Netzwerke wären böse und die hätten Verträge, mit denen sie die Youtuber zu etwas zwingen können, das ist falsch. Auch wenn du bei einem Netzwerk unter Vertrag bist, bist du immer noch der oder diejenige die die letztendliche Entscheidung hat. Es gibt auch ganz viele Youtuber in einem Netzwerk, die klar Dinge absagen, die Ihnen da angeboten werden. Was auch völlig in Ordnung ist, das Ihnen das Netzwerk das anbietet und was ja auch wichtig ist. Und dann kann der Youtuber immer noch sagen ich will das nicht und dann ist das in Ordnung.

Man darf da nicht alles in so ein schwarz-weiß-Bild transportieren. Netzwerke sind nicht per se alle böse und scheiße. Die Youtuber sind immer noch die, die am Ende verantwortlich sind, gleichzeitig ist es aber nicht nur die Schuld der einzelnen Youtuber, sondern der Szenen-Diskussion, die wir jetzt führen müssen. Und ich finde das was schönes, weil dadurch schützen wir uns alle. Das ist doch super.

 

David: Ja bitte, macht das gerne! Ich glaube jeder Youtuber muss seinen eigenen Weg finden wie er dazu steht und sich da positioniert. Das muss jeder für sich ausmachen, aber wir brauchen eine Debatte in der Szene darüber, wie jeder einzelne und wie sich die Szene als Ganzes versteht.

Marie: Ja und selbst im Verein sind wir nicht immer einer Meinung. Und das ist total wichtig, dass man das mal klar macht. Es gibt nicht nur “den” Youtuber. Es gibt bestimmte Dinge die ich sage, da sagt der andere das sehe ich anders. Es gibt welche die auf die Videodays gehen und das ist vollkommen in Ordnung. Und ich glaube auch da muss man hingehen und sagen: ja natürlich, es gibt nicht eine Masse, eine Message, wir sind immer noch fünfzehn Leute mit fünfzehn unterschiedlichen Köpfen und es ist wichtig, das wir alle unsere Meinung laut aussprechen und das wir anfangen, darüber zu diskutieren. Da hab ich Bock drauf.

 

Update (08.05.2015): Hier gibts das Video vom Podium auf der republica

re:publica 2015 - Sind Youtuber "wachstumsgeile Kommerzhuren"?
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Bildnachweise. Foligowski

6 KOMMENTARE

  1. Transparent wollen also Marie Meimberg und der “nicht eingetragene Verein” 301+ sein?
    Okay, wie wäre es dann mit der transparenten Unterhaltung über die Meimberg GmbH, deren Betätigungsfeld die Vermarktung von Web-Videos inklusive der Strategie und Steuerung von Werbekampagnen für Web-Videos ist, mit der exakt gleichen Adresse wie der Verein 301+?
    Wie wäre es mit der transparenten Aufzählung der Jobs und der Beteiligung von Marie Meimberg an den UFA Laps zur Entwicklung und Umsetzung von Werbekampagnen bis hin zur Vermittlung von so genannten Themen-Videos für Industrie und Politik an reichweitenstarke Yourubekanäle?
    Wenn man zwischen Industrie und Videoproduzent sitzt, ist Transparent sicher ganz toll, aber auch nur dann, wenn man das nicht für seine Zwecke (miss- ?) gebrauchen möchte.

    • Um Klarheit zu schaffen: Sie sprechen von dieser Firmeneintragung und dieser Produktionsgesellschaft, welche zu Freemantle / RTL / Bertelsmann gehört.

      Sie vermischen hier zwei Dinge: Es geht um die transparente Kennzeichnung von Werbetätigkeiten wie z.B. Produktplatzierungen in Youtube-Videos. Es geht nicht um die Offenlegung von Verträgen, Beteiligungen, Jobs oder Nebenjobs. Das sind zwei grundlegend verschiedene Dinge.

      • Transparenz beginnt am Anfang!
        Beispiel: “Marie Meimberg – Pfand gehört daneben”
        Ein Projekt vom “Machen statt quatschen e.V” (nicht als gemeinnützig in Deutschland eingetragen), was von
        1.) Mischa Karafiat, ein Event- und Projektmanager und
        2.) Matthias Seeba-Gomille, einem Grafik-Designer gegründet wurde.

        Als der Film mit den UFA Labs entstanden ist, war wo Marie Meimberg dort Redaktionsleiterin. Der Satz in der “Infobox” zum Video lautete:
        “Dieses Video entsand in Zusammenarbeit mit vielen Viren der Liebe, den awesomen Mitbastlern” – trifft also nicht zu! Es eine reine Marketing-Kampagne.
        Was 2011 als “Grundy und UFA hilft” startete wurde 2014 mit dem “DoGoodDay” zu einer Kampagne der UFA LAbs/ UFA “mesh collective” – Sponsoren war: Robert Bosch Stiftung und Welthungerhilfe, O2, Oxfam, Save the Children plus VIVA.

        Mit der Ausnahme der Robert Bosch Stiftung hat wohl niemand der beteiligten Unternehmen etwas zu verschenken – und ganz bestimmt nicht die UFA, die neben den Kosten eben auch für Quote bzw. Re-Finanzierung zu sorgen hat., weshalb eine klare Kennzeichnung oder Nennung der Huntergründe; ganz im Sinne der Transparenz; wünschenswert gewesen wäre.
        Oder wollen wir hier Haarspalterei betreiben und explizit für Web produzierte Formate wie “Trigger TV” und die anderen Referenzen der UFA als Feldversuche ohne finanzielle und werbende Tätigkeiten abtun, die – weil sie nicht genau wie Werbung direkt ein Produkt anpreisen – aus der Kennzeichnungspflicht im Sinne der Transparenz rausfallen?

      • Doch, genau hier müssen wir unterscheiden zwischen rein werblichen und anderen Tätigkeiten.

        In dem von Ihnen benannten Video wird die UFA als Spender genannt und auch in der Videobeschreibung verlinkt.
        Im Video selbst kann ich keine werblichen Absichten für die von Ihnen benannten Unternehmen oder deren Produkte erkennen. Offensichtlich werden aber die Kampagne “Pfand gehört daneben” und der #DoGoodDay genannt. Beides sind Aktionen, die gemeinsam mit Sponsoren durchgeführt wurden. Das heißt aber nicht, dass die Beteiligten Youtuber Geld von diesen Unternehmen erhalten haben, damit sie positiv über diese Aktionen berichten.

        Natürlich erhoffen sich die beteiligten Unternehmen durch das Sponsoring einen Imagegewinn. Das ist aber zu unterscheiden von rein absatzfördernden, sprich: werblichen Maßnahmen.

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