Youtuber-Relations vs. Youtube-Netzwerke

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Youtuber Relations und Youtube Netzwerke
Youtuber Relations und Youtube Netzwerke

Die deutschen Youtube-Netzwerke sind angeschlagen, „Youtuber Marketing“ ist zu einseitig. Youtuber sind Künstler, Kreative und Freigeister. Sie sind Persönlichkeiten mit Ideen und Visionen. Was sie tun, tun sie aus Spaß und Begeisterung, sie stecken Schweiß, Blut und Tränen in ihre Arbeit, investieren Zeit, Geld und Energie. Dafür wollen sie Ernst genommen werden. Als Kreative mit einer Leidenschaft. Als Partner auf Augenhöhe. Als Mensch. Nicht als Werbetafel.

Es wird Zeit, umzudenken.

Teil 1 der 7-teiligen Serie zum Thema Youtuber-Relations.

Youtube-Netzwerke im Umbruch

Die letzten Wochen und Monate waren turbulent für die deutschen Youtube-Netzwerke. Akquisen, Risikokapital, Mega-Events, Wachstumsschmerzen, alles war dabei. Doch drei Ereignisse haben die Szene ganz besonders geprägt …

[TL;WR: HISTORIE ÜBERSPRINGEN]

 

Mediakraft unter Beschuss

Zunächst der Skandal um Schleichwerbung Anfang 2014. Nach einem Bericht von Report Mainz über unzureichend gekennzeichnete Schleichwerbung in den Videos von Ytitty und Daaruum ermittelt die Landesmedienanstalt gegen die Youtuber und deren Netzwerk. Als Reaktion auf die Vorwürfe verpflichten sich einige Youtuber dazu, Product Placements künftig klarer zu kennzeichnen. Auch bei den Netzwerken zieht man Konsequenzen: Kennzeichnungen ähnlich dem Fernsehen werden eingeführt.

Y-TITTY & Co: Werbung bei YouTube - Kämpfen Konzerne mit unsauberen Mitteln um Jugendliche?

 

Im Oktober verrät dann einer der größten Youtuber Deutschlands, dass er sich von seinem Netzwerk Mediakraft trennen wird. Dabei erhebt Florian Mundt (LeFloid) Vorwürfe gegen sein Netzwerk: Der ursprüngliche Netzwerkgedanke sei verloren gegangen, das Unternehmen nicht wirklich interessiert. Zusammen mit einigen anderen Youtubern gründet er den Verein 301plus. Die Krautreporter berichten, Mediakraft-President Christoph Krachten gibt sich im Interview einsilbig.

Dann, kurz vor Weihnachten, sorgt Simon Unge für das bislang größte Erdbeben der deutschen Youtube-Szene. Mit einem großen Knall verabschiedet er sich von seinem Vermarkter Mediakraft und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Netzwerk. Wie LeFloid vermisst auch er Unterstützung und Interesse für seine Projekte. Die Hashtags #Unge und #Freiheit dominieren mehrere Tage die deutsche Twitter-Trends, Unges Austritt produziert ein enormes mediales Echo.

 

Auch das neue Jahr läuft nicht besser für Mediakraft: Zunächst endet der Vertrag mit dem Comedy-Trio ApeCrime, die Jungs wechseln zum Konkurrenten TubeOne. In der Folge verlässt Vermarktungschef Jan Schlüter das Unternehmen. Mediakraft-Mitgründer Christoph Krachten beschwichtigt im Interview mit ZAPP noch: „Alles ganz normal!„. Einen Tag später tritt auch er von seinem Posten zurück.

Nun werden auch Stimmen gegen die anderen Netzwerke laut. Die Branche wird unruhig. Im Interview kritisiert Jan Böhermann die vermeintliche Scheinheiligkeit der Youtuber. Beinah gleichzeitig feiert die unabhängige Aktion #YouGeHa Erfolge als erstes journalistisches Experiment der Szene. Seitdem diskutieren Youtuber und Fans, ob Youtube nun Hobby oder doch Beruf ist. Die Szene mitten in der Selbstdefinition. Aber mit neuem Selbstbewusstsein.

Unge & die YouTuber Szene: Jan Böhmermann im Interview bei Visa Vie (zqnce)

 

Problem Youtube-Netzwerke Youtuber Marketing

All diese Konflikte treffen im Kern das Verhältnis der Youtuber und ihrer Vermarkter. Es ist ein Problem überholter Geschäftsmodelle und Ansichten.

Die Vermarkter agieren größtenteils wie Casting-Shows: sie suchen die verheißungsvollsten Entertainer unter den Youtubern, päppeln sie mit Standardformaten hoch, legen sie mit Buyout-Verträgen an die Leine und verkaufen dann ihre Reichweiten. Die breite Masse der Partner wird als Support-Vehikel eingespannt, Crosspromotion aus allen Rohren um die Großen noch größer zu machen. Dazu wird dann noch Merchandising eingekauft, werden Konzerte und Bühnenshows geplant, Alben und Musikvideos produziert. Das mag einzelnen Youtuber gefallen, in der Masse untergräbt es den Youtube-Gedanken. Netzwerke verkaufen Personen. Aber nicht, was sie zu sagen haben.

Auf der anderen Seite stehen häufig Unternehmen, die keine Ahnung von Youtube haben. Die die Plattform nicht verstehen. Denen es nicht um die Künstler geht. Oder die Community. Die einfach nur irgendwie ihren Kram unter die Leute bringen wollen. Die in den Kanälen kommunikative Einbahnstraßen sehen. Die den Künstler nur kaufen wollen, statt ihn zu überzeugen.

Beides funktioniert auf Dauer nicht.

 

Youtuber-Relations falsch verstanden

Wer heute „Youtuber-Relations“ sagt, der meint häufig Youtuber Marketing: Youtuber für Product Placements, Youtuber als Testimonials, Youtuber als Branded Entertainer.

Doch wo sind da die Relations? Wo ist die Beziehung? Wo ist das gegenseitige Verständnis, das eine ehrliche Beziehung verlangt? Das Vertrauen? Den anderen einfach mal machen zu lassen? Stattdessen gibt es Werbeclips von der Stange, großformatige Anzeigekampagnen, Mega-Events und Star-Kultivierung. Positive Ausnahmen gibt es nur wenige. Die meisten „Youtuber-Relations“ sind gar keine. Es sind „Youtuber-Marketing„-Maßnahmen.

Und das spüren die Youtuber gerade.

 

Neues Selbstbewusstsein

Eigentlich hätte man Ihnen nur zuhören müssen. Den Youtubern. Marie Meimberg und LeFloid hatten es schon längt gesagt. Im  Interview mit Brand Eins. Da sprachen sie lang über Youtube, Reichweiten, Fans, Verantwortung, Inhalte. Und zeigten sich ernüchtert:

Es gibt zwei Gründe, warum Leute zu einem wie Flo kommen: Entweder sie wollen nur Reichweite – das ist sowieso falsch. Oder sie kommen, weil sie cool finden, was er macht. Aber dann können sie doch nicht wollen, dass er etwas tut, was zu dieser Coolness überhaupt nicht passt.

Marie Meimberg

 

Youtubern geht es nicht um Promotion oder Klicks – das ist nur die Währung, in der zufällig abgerechnet wird. Es geht ihnen um Interaktion. Youtuber wollen gesehen werden. Sich zeigen. Mit den Menschen sprechen. Ihr Konzepte umsetzen., Ideen verwirklichen. Feedback bekommen. Sich verbessern. Spaß haben. Spaß machen. Dafür suchen sie einen zuverlässigen Partner.

Doch die Netzwerke bedienen mit ihrem Geschäftsmodell Denkmuster alter Schule. Sie unterstützen primär Unternehmen, die mit Dialog und Interaktion nicht umgehen wollen und Reichweiten lieber einkaufen. Die Bewegtbild nur als Werbeträger sehen.

Doch Youtube ist ein soziales Netzwerk. Eine Dialogplattform. Darum geht es im zweiten Teil dieser Serie.

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